Dienstag, 22. September 2015

Profilneurose, werter Lehrstuhl?

Die Makro-Klausur gestern war eine Frechheit. Aus meiner subjektiven Sicht wurde der Schwierigkeitsgrad der ohnehin schon sehr anspruchsvollen Klausur nochmal ordentlich in die Höhe geschraubt: Zwischendrin sehr viele Wissensfragen mit höchstgemeinen Antwortmöglichkeiten, die Multiplikatoren sehr komplex und nicht aufeinander aufbauend (wer das Einsetzverfahren benutzt und nicht das Determinantenverfahren, wird wissen, was ich meine), d.h. jeden Mutiplikator einzeln und in voller Pracht ausrechnen, ganze drei Mal. Dazu generell sehr spezielle  Sachverhalte, die bisweilen kaum bis nie abgefragt wurden. Ich unterstelle dem Lehrstuhl hier und heute ganz offen Böswilligkeit! Es wurde offensichtlich darauf angelegt, die Durchfallquote zu erhöhen.

Schon bei der letzten Klausur zeichnete sich diese Tendenz ab. Bei den Wissensfragen waren diesmal  jedenfalls die Antwortmöglichkeiten teilweise so spitzfindig, dass mir echt die Lust vergangen ist, weiter darüber nachzudenken. Raten kann ich auch ohne zu denken. Wenn man zuvor einen der Multiplikatoren endlich ausgerechnet hatte (und tw. waren die fast eine ganze A4-Zeile lang), wurden vier Antwortmöglichkeiten präsentiert, die sich nach grundlosem Vorzeichenwechsel, Rausheben, Umstellen und Kürzen nur in Nuancen unterschieden. Was hat das noch mit Multiplikatoren rechnen zu tun? Ist das ein  Mathekurs oder geht es um Ökonomie? Ich bleibe dabei: Das war beabsichtigte Frotzelei.

Es ist generell anzuzweifeln, ob dieses All-Or-Nothing-Prinzip bei den Multiplikatoren überhaupt fair ist. Da kann man alles richtig machen, eine A4-Seite vollschreiben, sich am Ende bei einem Vorzeichen vertun und kassiert dafür null Punkte? Ein paar Credits für den Rechenweg wären m.E. schon angebracht, zumal es meist auch noch konsekutive Fragen dazu gibt, aber diese Art der Korrektur ist dem Lehrstuhl sicherlich zuviel Aufwand. Man muss dazu sagen, dass der Umfang der Klausur es kaum zulässt, sich länger mit einer Frage zu beschäftigen, also etwa den Fehler im Rechengang zu suchen. Multiplikator falsch? Pech gehabt, nächste Frage. [Anm.: Obwohl ich hier darüber schimpfe, habe ich die Multiplikatoren offenbar alle richtig ausgerechnet.]

Laut der Musterlösung von Hillmann habe ich die Klausur bestanden, aber weit nicht so gut, wie ich erhofft hatte. Ich bin höchst stinkig im Moment. Nie wieder werde ich so viel Energie und Enthusiasmus in ein Modul investieren.

Fazit: Man kann es auch übertreiben, sehr geehrter Lehrstuhl Wagner! Es ist ok, wenn eine Klausur ein hohes Niveau aufweist und nichts verschenkt wird, aber das war hinterhältig.

Kommentare:

  1. Das erinnert mich an meine Makro-Klausur letztes Semester ;)
    Der Lehrstuhl versucht wohl schon, sich an die Durchschnitts-Durchfallquote anzunähern. Neu sind ja die letzten MC-Fragen, die ja nicht wirklich 1/n sind, da habe ich mich auch geärgert weil ich wegen grammatikalischer Unklarheit was falsch hatte.
    Bei den Multiplikatoren ist ja immer der eigene der schwerste, aber das Einsetzverfahren ist auch definitiv die falsche Wahl. Das mit der Kürzerei machen die nur, weil man sonst die Multiplikatoren recht einfach erraten kann (zumindest wenn man mit Determinaten arbeitet).
    Kopf hoch, durch bist Du ;)

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  2. Hallo,

    ich weiß, die eigene Klausur ist immer die schwerste. Aber diese war es wirklich ;). Auch die letzte war schon schwieriger als die die Klausuren zuvor, da hast du recht. Warum sollte das Einsetzverfahren die falsche Wahl sein? Da weiß ich wenigstens, was ich tue, das Determinantenverfahren ist Malen nach Zahlen. Die Multiplikatorenrechnung hat letztlich ja auch geklappt, aber viel Zeit gekostet, weil jeder einzelne neu berechnet werden musste.

    Die MC-Fragen am Ende, ja, wiegesagt, da ist mir die Lust vergangen, weil man trotz Verständnis der Materie sich einfach nicht sicher sein konnte, was denn der Lehrstuhl mit seiner Ausdrucksweise meint. Wenn die Beantwortung einer Frage an der Grammatik und nicht am Wissen scheitert, ist das sicher nicht der richtige Weg, eine Klausur zu gestalten. Bei deiner Klausur bist du sicher am "nur" bei der Wertpapierhaltung gestolpert. Diesmal waren die Antworten noch uneindeutiger, selbst Hillmann kann diese Frage nicht eindeutig beantworten. Und was zum Teufel ist einen Inflationsbias?

    Naja, was solls, durch ist durch.

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  3. Hallo Markus, ich habe auch die Klausur am Montag geschrieben. Ich schließe mich deiner Meinung uneingeschränkt an, diese Klausir war eine Frechheit!!!!! Da wird kein Wissen mehr geprüft sondern Wissensroulette gespielt, echt zum Kotzen!!!!! Zwischen den Zeilen konnte man so richtig riechen worauf abgezielt wurde: Durchfallquote erhöhen!!!! Mit halbem Lernaufwand hätte ich dasselbe Ergebnis bekommen wie mit doppeltem Lernaufwand da einige Frage einfach nur mit Glück richtig zu beantworten waren. Ich finde das sehr demotivierend

    Chris

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  4. bin ganz bei dir. die klausur war ein witz. da gehts nicht mehr um das abfrage von wissen. frotzelei trifft es ganz gut.

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  5. Beruhigt mich ja, dass es nicht nur mir so ergangen ist. "Durch ist durch" ist leider einfach nicht mein Ding, auch wenn es manchmal ganz angenehm wäre. Aber wenigstens bin ich diesmal nicht an mir selbst gescheitert. Hat ja auch mal was, wenn man Fragen falsch beantwortet, weil man die Antwort nicht kennt und nicht, weil man die Frage nicht ordentlich liest. ;)

    O'zapft ist! Morgen gehts nach München zur nächsten Klausur...bei Oktoberfest und Flüchtlingswelle wird das ein ganz besonderer Spaß, um 10.00Uhr vormittags rechtzeitig vor Ort zu sein. Wo soll ich nur parken!?

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  6. Die Noten sind da.
    37% Durchfallquote dürfte für Makro wohl Rekord sein.

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